Ehrlich und ohne Uebertreibung: was ein Implantat ist, fuer wen es infrage kommt und welche Loesungen es auch dann gibt, wenn Ihnen gesagt wurde, es sei zu wenig Knochen vorhanden.
Medizinisch geprueft vondr. Zdenko Trampuš, DDS
Zahnimplantate haben die Versorgung bei Zahnverlust in den letzten Jahrzehnten spuerbar veraendert. Wo frueher fast automatisch eine Bruecke oder eine herausnehmbare Prothese gewaehlt wurde, ist heute fuer viele Menschen das Implantat die vorhersehbarere Loesung, weil es Aesthetik und Kaufunktion natuerlicher Zaehne annaehernd wiederherstellt und den Kieferknochen weiter belastet.
Damit ist ein Implantat aber kein Wundermittel, das fuer jeden und in jeder Situation gleich sinnvoll ist. Dieser Ratgeber fasst die zehn Dinge zusammen, die Patientinnen und Patienten am haeufigsten fragen, bevor sie sich fuer ein Implantat entscheiden. Ziel ist, dass Sie nach dem Lesen die richtigen Fragen stellen koennen, nicht dass Ihnen vorab etwas versprochen wird.
Kurz zur Einordnung: Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt weder eine persoenliche Untersuchung noch eine aerztliche Beratung. Was fuer Sie moeglich ist, laesst sich erst nach einer Untersuchung mit 3D-Aufnahme (DVT) sagen.
Die 10 Punkte
- 1. Was ist ein Zahnimplantat?
- 2. Wer kommt fuer ein Implantat infrage?
- 3. Warum ein Implantat statt Krone oder Bruecke?
- 4. Gibt es eine Altersgrenze?
- 5. Was, wenn zu wenig Knochen vorhanden ist?
- 6. All-on-4: feste Zaehne auf vier Implantaten
- 7. Zygoma-Implantate im Jochbein
- 8. Pterygoid-Implantate als Alternative zum Sinuslift
- 9. Subperiostale Implantate fuer die schwersten Faelle
- 10. Nachsorge: was nach dem Eingriff zaehlt
Die 10 Dinge
Was Sie vor dem Eingriff wissen sollten
1Was ist ein Zahnimplantat?
Ein Implantat ist eine kleine Schraube, meist aus Titan, die in den Kieferknochen eingesetzt wird und die verlorene Zahnwurzel ersetzt. Titan ist biokompatibel und verwaechst mit der Zeit mit dem Knochen, ein Vorgang, der Osseointegration heisst. Auf dem eingeheilten Implantat wird spaeter eine Krone, eine Bruecke oder eine ganze Zahnreihe befestigt. Das Implantat ist also die Wurzel, der sichtbare Zahnersatz ist der Aufbau darauf.
2Wer kommt fuer ein Implantat infrage?
Grundsaetzlich viele Menschen, sofern eine Indikation besteht und die allgemeine Gesundheit es zulaesst. Wichtig zu wissen: nach dem Verlust eines Zahns beginnt der Kieferknochen an dieser Stelle, sich zurueckzubilden. Eine systematische Uebersichtsarbeit beziffert die Abnahme der Kammbreite nach einer Zahnentfernung im Mittel auf rund 2,7 bis 3,6 Millimeter, wobei der groesste Teil in den ersten Wochen und Monaten geschieht[4]. Das ist einer der Gruende, warum es sinnvoll sein kann, eine Loesung nicht zu lange aufzuschieben. Ob und wann ein Implantat der richtige Weg ist, entscheidet sich nach Untersuchung und 3D-Aufnahme.
3Warum ein Implantat statt Krone oder Bruecke?
Eine klassische Bruecke stuetzt sich auf die Nachbarzaehne, die dafuer beschliffen werden, auch wenn sie gesund sind. Ein Implantat steht fuer sich und laesst die Nachbarzaehne unberuehrt. Zudem belastet es den Kieferknochen aehnlich wie eine natuerliche Wurzel und wirkt so dem Knochenabbau entgegen. Das macht das Implantat oft zur langlebigeren Loesung, ohne dass es deshalb in jedem Fall die einzige richtige Wahl waere. Welche Versorgung passt, haengt vom Einzelfall ab. Bruecke oder Implantat im Vergleich
4Gibt es eine Altersgrenze?
Nach oben gibt es keine feste Altersgrenze, niemand ist grundsaetzlich zu alt fuer ein Implantat. Entscheidend sind der Gesundheitszustand, der Knochen und die Mundgesundheit, nicht das Geburtsjahr. Bei jungen Menschen wird gewartet, bis der Kiefer ausgewachsen ist. Bei aelteren Patientinnen und Patienten sind Implantate haeufig gut moeglich, teils nach Abstimmung mit dem behandelnden Hausarzt oder Facharzt.
5Was, wenn zu wenig Knochen vorhanden ist?
Fehlender Knochen war frueher haeufig ein Hindernis, heute ist er es viel seltener. Wenn ein klassisches Implantat mangels Knochen nicht moeglich ist, gibt es spezialisierte Techniken, die ihren Halt an anderer Stelle finden, ohne umfangreichen Knochenaufbau. Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Saetzen: zu wenig Knochen spricht ueber eine Methode, keine Loesung ueber alle Methoden. Die naechsten Punkte erklaeren diese Techniken. Zahnimplantate ohne Knochen
6All-on-4: feste Zaehne auf vier Implantaten
Bei ausgepraegtem oder vollstaendigem Zahnverlust traegt die All-on-4-Methode eine feste Bruecke des ganzen Kiefers auf vier Implantaten, im Ober- oder Unterkiefer. Die hinteren Implantate werden dabei schraeg gesetzt, um vorhandenen Knochen optimal zu nutzen. Systematische Uebersichtsarbeiten berichten fuer dieses Konzept hohe Implantatueberlebensraten, in einer Auswertung ueber 97 Prozent nach 36 Monaten[3]. Bei geeigneter Stabilitaet kann eine provisorische feste Bruecke oft rasch nach dem Eingriff angebracht werden. All-on-4 im Detail
7Zygoma-Implantate im Jochbein
Wenn der Oberkiefer viel Knochen verloren hat, verankern sich Zygoma-Implantate nicht im Kiefer, sondern im Jochbein (os zygomaticum), einem kraeftigen Wangenknochen, der bei den meisten Menschen erhalten bleibt. So laesst sich ein umfangreicher Knochenaufbau oft vermeiden. Eine systematische Uebersichtsarbeit und Metaanalyse berichtet eine mittlere Ueberlebensrate von 96,2 Prozent ueber im Schnitt rund sechs Jahre[2]. Zygoma gehoert zur fortgeschrittenen Implantologie und verlangt einen erfahrenen Chirurgen und eine gruendliche 3D-Planung. Zygoma-Implantate
8Pterygoid-Implantate als Alternative zum Sinuslift
Im hinteren Oberkiefer senkt sich bei Knochenverlust die Kieferhoehle ab, weshalb dort besonders oft von zu wenig Knochen die Rede ist. Pterygoid-Implantate werden schraeg in den festeren Knochen des hinteren Oberkiefers gesetzt und vermeiden so in vielen Faellen den Sinuslift und den Knochenaufbau. Haeufig werden sie mit anderen Techniken kombiniert, etwa als hinterer Halt einer festen Bruecke.
9Subperiostale Implantate fuer die schwersten Faelle
Anders als ein Implantat, das in den Knochen eingesetzt wird, ist ein subperiostales Implantat ein individuell gefertigtes Titangeruest, das dem Knochen unter dem Zahnfleisch aufliegt. Moderne Varianten werden nach der 3D-Aufnahme des Patienten angefertigt und folgen so praezise der Form seines Knochens. Diese Technik ist keine erste Option, sondern eine Reserve fuer Faelle mit besonders ausgepraegtem Knochenverlust.
10Nachsorge: was nach dem Eingriff zaehlt
Der Eingriff ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Fuer ein langfristig gutes Ergebnis braucht es eine gute Mundhygiene und regelmaessige Kontrollen, damit das Implantat und das umgebende Zahnfleisch gesund bleiben. Unbehandelte Entzuendungen am Implantat (Periimplantitis) sind nicht selten, umso wichtiger sind Nachsorge und Pflege[1]. Zur Genesung nach anspruchsvolleren Eingriffen gehoert bei uns ein medizinisch begleitetes Protokoll. Der erste Schritt ist unkompliziert: eine kostenlose Erstberatung mit 3D-Analyse. Nachsorge und DENTAL SPA
Implantate sind fuer viele unserer Patienten die vorhersehbarste Loesung bei Zahnverlust. Entscheidend ist aber nicht die Technik allein, sondern die ehrliche Einschaetzung, ob und wie sie im Einzelfall sinnvoll ist.
dr. Zdenko Trampuš, DDS · Ortoimplant DENTAL SPA
Ehrlichkeit
Fuer wen ein Implantat nicht die erste Wahl ist
Dieses Kapitel gehoert zu jeder ehrlichen Beratung. Ein Implantat erweitert die Moeglichkeiten, ist aber kein Automatismus. In einigen Situationen ist zuerst eine Vorbereitung noetig oder ein anderer Weg sinnvoller:
- Aktive Entzuendungen im Mund sollten vor dem Eingriff behandelt werden, da sie Sicherheit und Heilung beeinflussen.
- Bestimmte allgemeine Erkrankungen oder Medikamente, etwa manche Knochenmedikamente, erfordern eine Abstimmung mit dem behandelnden Arzt und manchmal einen Aufschub.
- Aktives Rauchen und unzureichende Mundhygiene beeinflussen die Einheilung und den langfristigen Erfolg spuerbar.
- Unrealistische Erwartungen, etwa eine Loesung ganz ohne Heilung, Pflege und Kontrollen, fuehren unabhaengig von der Technik oft zu Enttaeuschung.
Unser Grundsatz: Wenn wir einschaetzen, dass ein Implantat fuer Sie nicht der richtige Weg ist oder zuerst eine Vorbereitung noetig ist, sagen wir Ihnen das und schlagen eine bessere Loesung vor. Eine ehrliche Einschaetzung ist wichtiger als jeder Eingriff.
Häufig gestellte Fragen
Ist ein Zahnimplantat schmerzhaft?
Das Einsetzen erfolgt in örtlicher Betäubung, auf Wunsch in Analgosedierung, sodass Sie während des Eingriffs entspannt sind und keine Schmerzen spüren. In den ersten Tagen danach sind eine leichte Schwellung und Druckempfindlichkeit üblich, die sich mit Schmerzmitteln und klaren Pflegehinweisen gut kontrollieren lassen.
Wie lange halten Zahnimplantate?
Zahnimplantate sind als langfristige Lösung gedacht. Systematische Übersichtsarbeiten berichten über Implantatüberlebensraten von rund 96 Prozent nach zehn Jahren.[1] Die Krone oder Brücke auf dem Implantat ist ein Verschleißteil und kann im Lauf der Jahre erneuert werden. Der langfristige Erfolg hängt von Mundhygiene, regelmäßigen Kontrollen und der allgemeinen Gesundheit ab.
Gibt es eine Altersgrenze für Implantate?
Nach oben gibt es keine feste Altersgrenze. Entscheidend ist nicht das Lebensalter, sondern der allgemeine Gesundheitszustand, der Knochen und die Mundgesundheit. Bei jüngeren Menschen wird gewartet, bis der Kiefer ausgewachsen ist. Viele ältere Patienten erhalten erfolgreich Implantate, oft nach Abstimmung mit dem behandelnden Arzt.
Kann ich Implantate bekommen, wenn mir gesagt wurde, dass ich zu wenig Knochen habe?
Häufig ja. Zu wenig Knochen bedeutet meist, dass ein klassisches Implantat nicht möglich ist, nicht dass es keine Lösung gibt. Spezialisierte Techniken wie Zygoma- und Pterygoid-Implantate finden ihren Halt in weiterhin festem Knochen. Ob das in Ihrem Fall möglich ist, zeigt erst eine Untersuchung mit 3D-Aufnahme.
Warum ein Implantat statt einer Brücke?
Ein Implantat ersetzt die Zahnwurzel und steht für sich, ohne die Nachbarzähne zu beschleifen. Eine klassische Brücke stützt sich auf die benachbarten Zähne, die dafür abgeschliffen werden. Zudem belastet das Implantat den Kieferknochen und hilft, dem Knochenabbau nach Zahnverlust entgegenzuwirken. Welche Lösung für Sie besser ist, hängt vom Einzelfall ab.
Wie schnell bekomme ich feste Zähne?
Bei einem Teil der Patienten kommt die Sofortbelastung zum Einsatz, bei der eine provisorische feste Brücke kurz nach dem Setzen der Implantate angebracht wird. Die endgültige Versorgung folgt nach der Einheilung. Ob eine Sofortbelastung möglich ist, hängt von der Stabilität der Implantate ab und wird individuell beurteilt.
Quellen und Literatur
- Howe MS, Keys W, Richards D. Long-term (10-year) dental implant survival: A systematic review and sensitivity meta-analysis. Journal of Dentistry. 2019;84:9-21. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30904559/
- Brennand Roper M, Vissink A, Dudding T, et al. Long-term treatment outcomes with zygomatic implants: a systematic review and meta-analysis. International Journal of Implant Dentistry. 2023;9:21. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10322814/
- Soto-Penaloza D, Zaragozi-Alonso R, Penarrocha-Diago M, Penarrocha-Diago M. The all-on-four treatment concept: Systematic review. Journal of Clinical and Experimental Dentistry. 2017;9(3):e474-e488. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5347302/
- Couso-Queiruga E, Stuhr S, Tattan M, Chambrone L, Avila-Ortiz G. Post-extraction dimensional changes: A systematic review and meta-analysis. Journal of Clinical Periodontology. 2021;48(1):126-144. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33067890/
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