Wenn der Kieferknochen so weit resorbiert ist, dass Standardimplantate keinen ausreichenden knöchernen Halt mehr finden, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass feste Zähne nicht möglich sind. Bei ausgeprägter Atrophie des Oberkiefers wenden wir fortgeschrittene implantologische Techniken an, etwa transnasale, Zygoma-, transsinusale und Pterygoid-Implantate, abhängig von der individuellen 3D-Anatomie der Patientin oder des Patienten und vom Plan der künftigen festen Versorgung. Bei einem stark atrophierten Unterkiefer sind, wenn dafür die richtige Indikation besteht, individualisierte subperiostale Implantate eine der Möglichkeiten.
In unserem Bereich sind genau solche Patientinnen und Patienten häufig zu Gast: Menschen, denen an mehreren Stellen gesagt wurde, dass feste Zähne nicht möglich sind. Dieser Text erklärt zwei selten verfügbare Techniken, subperiostale und transnasale Implantate, wann sie infrage kommen und was die begutachtete Fachliteratur heute über sie sagt, ehrlich, mit Zahlen und mit Einschränkungen.
Subperiostales Implantat: ein Gerüst auf dem Knochen, nicht darin
Ein klassisches Implantat ist eine Schraube, die in den Kieferknochen eingebracht wird. Ein subperiostales Implantat funktioniert anders. Es ist ein individuell gefertigtes Titangerüst, das unter der Schleimhaut auf der Oberfläche des verbliebenen Knochens aufliegt; aus ihm ragen Pfosten heraus, an denen die feste Brücke befestigt wird. Die Idee ist nicht neu, die ersten Varianten reichen bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts zurück, doch damals wurden die Gerüste von Hand nach einem Abdruck des Knochens gefertigt, und die Ergebnisse waren uneinheitlich.
Was die Technik zurück in die ernsthafte Diskussion gebracht hat, ist die digitale Fertigung. Aus der CBCT-Aufnahme der Patientin oder des Patienten wird das Gerüst heute am Computer konstruiert und additiv gefertigt (3D-Druck aus Metall), sodass es der individuellen Anatomie des verbliebenen Knochens genau folgt. Deshalb können moderne individualisierte subperiostale Implantate bei ausgeprägter Atrophie in Betracht gezogen werden, wenn der verbliebene Knochen keine geeigneten Voraussetzungen für eine klassische Verankerung von Implantaten bietet.
Die aktuellen Daten sind ermutigend, verlangen aber Vorsicht. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 (Anitua und Kollegen), die 227 Patientinnen und Patienten einschloss, berichtete über eine Überlebensrate von 97,8 Prozent bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtung von 21,4 Monaten. Zugleich hielt sie jedoch den empfindlichen Punkt der Technik fest: Bei etwa einem Viertel der Implantate (25,6 Prozent) kam es zu einer teilweisen Freilegung des Gerüsts durch das Zahnfleisch, und ein kleinerer Teil der Patientinnen und Patienten hatte eine Weichgewebeinfektion. Die Überlebensrate ist also hoch, Weichgewebekomplikationen sind aber nicht selten, und Langzeitdaten liegen noch nicht in ausreichendem Umfang vor.
Transnasales Implantat: Halt am Nasenboden
Bei ausgeprägter Atrophie im vorderen Bereich des Oberkiefers verschwindet der Knochen, in dem der vordere Teil der Brücke verankert werden müsste. Hier kommt das transnasale Implantat ins Spiel. Es nutzt den dichteren Knochen am Boden der Nasenhöhle und an den seitlichen Wänden, im Bereich der unteren Nasenmuschel, wo der Knochen auch bei stark resorbiertem Kieferkamm fest bleiben kann. Ein Teil des Implantats verläuft dabei durch diese knöcherne Brücke zwischen Kieferhöhle und Nasenhöhle.
In der Praxis werden transnasale Implantate selten allein gesetzt. Meist ergänzen sie Zygoma-Implantate und sichern einen zusätzlichen festen Halt im vorderen Bereich des Oberkiefers. Dadurch lässt sich der sogenannte vordere Freiendanteil (Cantilever) verringern oder vermeiden, also der Teil der Brücke, der keine unmittelbare Abstützung hat und biomechanisch ungünstiger ist. In der Beschreibung der Z-Point-Technik (Oh und Kollegen, 2023) wird genau das als einer der Hauptgründe für ihren Einsatz bei stark resorbierten Kiefern genannt.
Eine 2025 veröffentlichte Serie von 10 Patientinnen und Patienten (Eshoiee und Kollegen) berichtete über 18 transnasale Implantate mit 100 Prozent klinischem Erfolg nach einem Jahr und einem marginalen Knochenverlust von etwa 0,70 mm, was mit klassischen Implantaten vergleichbar ist. Es handelt sich um eine kleine Stichprobe und eine kurze Nachbeobachtung, daher sind diese Ergebnisse als vielversprechender Anfang zu lesen, nicht als endgültiger Beleg. Dennoch zeigen sie bei sorgfältig ausgewählten Patientinnen und Patienten, dass der Halt am Nasenboden stabil sein kann.
Wann diese Techniken überhaupt infrage kommen
Diesen Techniken ist gemeinsam, dass sie nicht der Ausgangspunkt sind, wenn genügend Knochen für Standardimplantate vorhanden ist. Die Reihenfolge unserer Überlegungen sieht in der Regel so aus:
- wenn genügend Knochen vorhanden ist, ein klassisches Implantat oder ein Standard-All-on-4,
- wenn im Oberkiefer nicht genügend Knochen für Standardimplantate vorhanden ist, kommen je nachdem, wo der verbliebene Knochen liegt, transnasale, Zygoma-, transsinusale oder Pterygoid-Implantate infrage,
- bei ausgeprägter Atrophie des Unterkiefers kommen, wenn dafür die richtige Indikation besteht, individualisierte subperiostale Implantate infrage, ebenso kurze oder ultrakurze Implantate und in einzelnen Fällen die Lateralisierung oder Transposition des Nervus alveolaris inferior (IAN).
Ein subperiostales Implantat wird in Betracht gezogen, wenn der Kieferkamm stark atrophiert ist und nicht genügend Knochen für eine standardmäßige Verankerung von Implantaten vorhanden ist, während das transnasale Implantat den festen knöchernen Halt an der Nasenhöhle bei ausgeprägter Atrophie der Prämaxilla, also des vorderen Bereichs des Oberkiefers, nutzt. Die Entscheidung trifft weder der Wunsch der Patientin oder des Patienten noch eine Liste von Techniken, sondern die 3D-Analyse des Knochens, die Lage von Kieferhöhle, Nerven und Nasenhöhle sowie der allgemeine Gesundheitszustand.
Wie der Weg bei uns aussieht
Der erste Schritt ist immer die Untersuchung und eine vollständige digitale Röntgendiagnostik, einschließlich 2D-Panoramaaufnahme (Ortopan) und 3D-DVT (CBCT), bei uns im Rahmen der kostenlosen Erstuntersuchung. Auf Grundlage der 3D-Daten wird der Eingriff digital geplant, bevor der Operationssaal betreten wird. Für Patientinnen und Patienten, denen die Anreise schwerfällt, ist auch eine vorläufige Einschätzung anhand einer eingesandten Aufnahme möglich.
So anspruchsvolle Eingriffe führen wir in potenzierter intravenöser Analgosedierung durch, deren Tiefe an die Patientin oder den Patienten und an den Eingriff angepasst wird, von einer flacheren Sedierung, bei der die Patientin oder der Patient mitarbeitet und Anweisungen folgt, aber keine Angst und Anspannung spürt und sich an den Eingriff meist wenig oder gar nicht erinnert, bis zu einer tiefen Sedierung, bei der der Eingriff praktisch verschlafen wird.
Die Genesung unterstützen wir medizinisch, im Rahmen des DENTAL SPA Konzepts: vor dem Eingriff führen wir eine Lymphdrainage durch, während des Eingriffs eine Ozontherapie und eine intravenöse Supplementierung von Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuren, und nach dem Eingriff eine Magnetfeldtherapie mit Torsionsfeldern sowie, je nach Indikation, eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBOT). DENTAL SPA Behandlungen sind bei so anspruchsvollen Eingriffen kein Zusatz zur eigentlichen Therapie, sondern ein integrierter Teil unseres perioperativen Protokolls, der darauf abzielt, möglichst günstige Bedingungen für die Heilung, eine bessere postoperative Erholung und die Unterstützung der für die Osseointegration wichtigen biologischen Prozesse zu schaffen. Gerade bei Techniken, bei denen die Heilung des Weichgewebes einer der empfindlicheren Punkte der Behandlung sein kann, ist ein solcher Umgang mit der Genesung für uns fester Bestandteil der gesamten Behandlungsplanung.
Ein ehrlicher Erwartungsrahmen. Subperiostale und transnasale Implantate sind fortgeschrittene und technisch anspruchsvolle implantologische Techniken für klar indizierte Fälle. Wenn sie richtig indiziert, präzise geplant und fachgerecht durchgeführt werden, sind sie ernstzunehmende implantologische Lösungen für Patientinnen und Patienten, bei denen Standardtechniken wegen des ausgeprägten Knochenmangels nicht mehr ausreichen. Veröffentlichte Studien verzeichnen hohe Überlebensraten, wobei die Langzeitnachbeobachtung für diese selteneren Techniken noch begrenzter ist als für klassische Implantate. Gerade deshalb liegt der Schlüssel zum Erfolg nicht in der Wahl der „fortschrittlichsten” Technik, sondern in der richtigen Indikation und ihrer präzisen Umsetzung. Die Methode muss sich dem Patienten anpassen, nicht der Patient der Methode.
Für wen sie nicht die richtige Option sind
Eine ehrliche Einschätzung heißt auch zu sagen, wann etwas nichts für Sie ist. Diese Techniken erfordern eine zusätzliche Vorbereitung oder sind nicht die erste Wahl bei einer aktiven Entzündung der Kieferhöhle oder der Nasenschleimhaut, bei manchen allgemeinen Erkrankungen und Medikamenten (etwa bestimmten Knochenmedikamenten oder einer kürzlichen onkologischen Behandlung), bei aktivem Rauchen und schlechter Mundhygiene sowie bei unrealistischen Erwartungen an Heilung und Pflege. In solchen Fällen schlagen wir eine Vorbereitung, eine Verschiebung oder einen anderen Weg vor. Die Zahl der Patientinnen und Patienten, für die feste Zähne wirklich nicht möglich sind, ist klein, doch die Möglichkeit, fortgeschrittene implantologische Techniken anzuwenden, hängt immer von der richtigen Indikation, der Anatomie und dem Gesundheitszustand der konkreten Patientin oder des konkreten Patienten ab.
Der nächste Schritt. Wenn Ihnen gesagt wurde, dass es für Sie wegen des ausgeprägten Knochenmangels keine Möglichkeit für feste Zähne gibt, ist eine Zweitmeinung mit einer 3D-Analyse auch dann sinnvoll, wenn Sie bereits ein „Nein“ gehört haben. Bei der kostenlosen Erstuntersuchung beurteilen wir den Zustand des Knochens ehrlich und sagen Ihnen, ob eine der fortgeschrittenen implantologischen Techniken in Ihrem Fall richtig indiziert ist.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein subperiostales Implantat?
Ein subperiostales Implantat ist keine Schraube, die in den Knochen eingebracht wird. Es ist ein individuell gefertigtes Titangerüst, das der Oberfläche des verbliebenen Knochens unter der Schleimhaut aufliegt und aus dem Pfosten herausragen, an denen die feste Brücke befestigt wird. Heute wird das Gerüst am Computer aus der CBCT Aufnahme des Patienten konstruiert und im 3D Metalldruck gefertigt, sodass es der Form genau dieses Knochens präzise folgt.
Wie zuverlässig sind subperiostale Implantate?
Eine systematische Übersicht aus dem Jahr 2024, die 227 Patienten umfasste, berichtete über ein Überleben von 97,8 Prozent bei durchschnittlich 21,4 Monaten Nachbeobachtung. Dieselbe Arbeit hält auch den empfindlichen Punkt der Technik fest: Bei etwa einem Viertel der Implantate (25,6 Prozent) kam es zu einer teilweisen Freilegung des Gerüsts durch das Zahnfleisch, und ein kleinerer Teil der Patienten hatte eine Weichgewebeinfektion. Das Überleben ist also hoch, doch Weichgewebekomplikationen sind nicht selten, und Langzeitdaten liegen noch nicht in ausreichendem Umfang vor.
Wann werden subperiostale oder transnasale Implantate eingesetzt?
Beide Techniken sind eine Reserve, kein Ausgangspunkt. Die Reihenfolge lautet: Ist genug Knochen vorhanden, ein klassisches Implantat oder ein Standard All-on-4; fehlt vorne der Knochen, ist aber das Jochbein erhalten, der zygomatische Zugang; fehlt die hintere Verankerung, ein Pterygoid-Implantat; und erst wenn auch das nicht machbar ist, der subperiostale oder transnasale Zugang. Die Entscheidung trifft weder der Wunsch des Patienten noch eine Liste von Techniken, sondern die 3D Analyse des Knochens, die Lage von Kieferhöhle, Nerven und Nasenhöhle sowie die allgemeine Gesundheit.
Für wen sind subperiostale oder transnasale Implantate keine Option?
Diese Techniken verlangen eine zusätzliche Vorbereitung oder sind nicht die erste Wahl bei einer aktiven Entzündung der Kieferhöhle oder der Nasenschleimhaut, bei manchen allgemeinen Gesundheitszuständen und Medikamenten (etwa bestimmten Knochenmedikamenten oder einer kürzlichen onkologischen Behandlung), bei aktivem Rauchen und schlechter Mundhygiene sowie bei unrealistischen Erwartungen an Heilung und Pflege. In solchen Fällen schlagen wir eine Vorbereitung, einen Aufschub oder einen anderen Weg vor. Die hohen Überlebensraten in Studien gelten für ausgewählte Fälle und erfahrene Teams, bei noch begrenzter Langzeitnachbeobachtung.
Führt Ortoimplant subperiostale und transnasale Implantate durch?
Diese Techniken gehören zu unserer Nische für Patienten, denen andernorts gesagt wurde, feste Zähne seien nicht möglich. Ob eine davon in Ihrem Fall sinnvoll ist, beurteilen wir bei der kostenlosen ersten Untersuchung mit CBCT Aufnahme.
Quellen und Literatur
- Anitua E, Eguia A, Staudigl C, Alkhraisat MH. Clinical performance of additively manufactured subperiosteal implants: a systematic review. International Journal of Implant Dentistry. 2024;10:4. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10844163/
- Eshoiee N, Aalam AA, Zelig D, Oh S, Kar K, Bakshalian N. Trans-nasal dental implants: indication and the report of 10 cases. Annals of Medicine and Surgery (London). 2025;87(4):1814-1822. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11981276/
- Oh S, Zelig D, Aalam AA, Kurtzman GM. Case report: utilization of Z-Point fixture „Trans-nasal“ implants. Annals of Medicine and Surgery (London). 2023;85(5):1959-1965. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10205294/
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