{"id":937,"date":"2026-07-15T15:21:19","date_gmt":"2026-07-15T13:21:19","guid":{"rendered":"http:\/\/ortoimplant.hr\/?p=937"},"modified":"2026-07-17T09:33:16","modified_gmt":"2026-07-17T07:33:16","slug":"pterygoid-implantate-die-alternative-zu-sinuslift-und-knochenaufbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ortoimplant.hr\/de\/pterygoid-implantate-die-alternative-zu-sinuslift-und-knochenaufbau\/","title":{"rendered":"Pterygoid-Implantate: die Alternative zu Sinuslift und Knochenaufbau"},"content":{"rendered":"<p>Im hinteren Oberkiefer geht Knochen schneller verloren, als vielen Patienten lieb ist. Nach dem Verlust der Backenz\u00e4hne dehnt sich die Kieferh\u00f6hle nach unten aus, der Kieferkamm schrumpft, und irgendwann bleibt f\u00fcr ein klassisches Implantat schlicht zu wenig H\u00f6he. Der \u00fcbliche Weg lautet dann: aufbauen. Sinuslift, Knochenblock, Wartezeit. Es gibt einen zweiten Weg, der diesen Umweg vermeidet und den festen Knochen nutzt, der weiter hinten ohnehin vorhanden ist. Genau dort setzt das Pterygoid-Implantat an.<\/p>\n<h2>Was ein Pterygoid-Implantat ist<\/h2>\n<p>Ein Pterygoid-Implantat wird schr\u00e4g von der Region des Oberkiefer-H\u00f6ckers (Tuber maxillae) nach hinten oben eingebracht und verankert sich im Fl\u00fcgelfortsatz des Keilbeins, der sogenannten Pterygoid-Region. Dieser Bereich besteht aus dichtem, kortikalem Knochen. Er liegt hinter der Kieferh\u00f6hle, nicht darunter, und bleibt deshalb auch dann erhalten, wenn der eigentliche Kieferkamm l\u00e4ngst abgebaut ist. Das Implantat ist in der Regel l\u00e4nger als ein Standardimplantat und deutlich anguliert, oft in einem Winkel um 45 bis 60 Grad zur Kaufl\u00e4che. Am Ende tr\u00e4gt es, gemeinsam mit weiter vorne gesetzten Implantaten, eine festsitzende Br\u00fccke.<\/p>\n<h2>Warum sich der Kieferh\u00f6hlenboden umgehen l\u00e4sst<\/h2>\n<p>Beim Sinuslift wird die Schleimhaut der Kieferh\u00f6hle angehoben und der entstehende Raum mit Knochenersatzmaterial gef\u00fcllt. Das funktioniert gut, kostet aber Zeit: Bis das Aufbaumaterial belastbar ist, vergehen oft mehrere Monate. Dazu kommen ein zweiter Eingriff, m\u00f6gliche Schwellung und in seltenen F\u00e4llen eine Perforation der Schleimhaut. Das Pterygoid-Implantat umgeht die Kieferh\u00f6hle vollst\u00e4ndig. Es sucht seinen Halt nicht im aufgebauten, sondern im nat\u00fcrlich vorhandenen Knochen dahinter. F\u00fcr den Patienten hei\u00dft das im g\u00fcnstigen Fall eine Operation statt zwei und einen k\u00fcrzeren Weg zum festen Zahn.<\/p>\n<h2>Was die Studienlage zeigt<\/h2>\n<p>Die Technik ist nicht neu, und inzwischen liegen belastbare \u00dcbersichtsarbeiten vor. Eine systematische \u00dcbersicht mit Meta-Analyse von Ara\u00fajo und Kollegen (2019) wertete Daten von 634 Patienten mit 1.893 Pterygoid-Implantaten aus und fand eine mittlere \u00dcberlebensrate von 94,87 Prozent. Eine aktuellere \u00dcbersicht von Bidra und Kollegen (2023), die sich gezielt auf moderne, raue Implantatoberfl\u00e4chen konzentrierte, kam bei 911 Implantaten auf eine \u00dcberlebensrate von 95,5 Prozent \u00fcber sechs Jahre. Bemerkenswert an dieser Arbeit: Die meisten Misserfolge traten im ersten Jahr auf, und der Gro\u00dfteil davon noch vor der Belastung des Implantats. Nach dem Einheilen und der prothetischen Versorgung waren sp\u00e4te Verluste selten.<\/p>\n<p>Die bislang umfangreichste Auswertung stammt von Raouf und Chrcanovic (2024). Sie fasst 38 Studien mit \u00fcber 3.000 Pterygoid-Implantaten zusammen und beziffert die kumulative \u00dcberlebensrate nach zehn Jahren auf 92,5 Prozent. Die Autoren ordnen die Pterygoid-Region ausdr\u00fccklich als M\u00f6glichkeit ein, den Oberkiefer ohne Sinusaugmentation oder zus\u00e4tzliche Knochentransplantation zu versorgen. Ein praktischer Hinweis aus derselben Arbeit: Verblockte Versorgungen, bei denen das Pterygoid-Implantat Teil einer Br\u00fccke ist, schnitten besser ab als einzeln stehende Kronen.<\/p>\n<h2>Vorteile gegen\u00fcber den Aufbauverfahren<\/h2>\n<ul>\n<li>Kein Knochenersatzmaterial und keine Entnahmestelle, damit entf\u00e4llt ein Eingriff.<\/li>\n<li>Der dichte Knochen der Pterygoid-Region erlaubt oft eine hohe Prim\u00e4rstabilit\u00e4t, die Voraussetzung f\u00fcr eine fr\u00fche oder sofortige Belastung.<\/li>\n<li>Die Gesamtbehandlung wird k\u00fcrzer, weil keine mehrmonatige Einheilphase eines Aufbaus abgewartet werden muss.<\/li>\n<li>Das Implantat st\u00fctzt das hintere Ende der Br\u00fccke ab und vermeidet einen freien, unbelasteten \u00dcberhang (Freiendbr\u00fccke), der auf Dauer ung\u00fcnstig ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Grenzen und worauf es bei der Planung ankommt<\/h2>\n<p>So sinnvoll der Ansatz ist, anspruchsvoll bleibt er. Die Pterygoid-Region liegt tief und schwer einsehbar, in der N\u00e4he wichtiger Gef\u00e4\u00dfe und Nervenstrukturen. Winkel und Eindringtiefe m\u00fcssen pr\u00e4zise stimmen. Die \u00dcbersichtsarbeiten weisen genau darauf hin: Die guten Ergebnisse h\u00e4ngen an der Erfahrung des Operateurs und an sorgf\u00e4ltiger Planung. Eine Meta-Analyse von D&#039;Amario und Kollegen (2024) berichtete zwar \u00fcber eine \u00dcberlebensrate von 97,43 Prozent, mahnte aber zugleich zur vorsichtigen Deutung und empfahl ausdr\u00fccklich moderne, gef\u00fchrte oder navigierte Verfahren. Vor jedem solchen Eingriff geh\u00f6rt deshalb eine dreidimensionale Bildgebung (DVT\/CBCT), mit der sich Knochenverlauf und Nachbarstrukturen genau darstellen lassen. Nicht jeder Fall eignet sich, und die Entscheidung f\u00e4llt individuell.<\/p>\n<h2>Pterygoid-Implantate bei Ortoimplant<\/h2>\n<p>Ob ein Pterygoid-Implantat f\u00fcr Sie infrage kommt, l\u00e4sst sich erst nach Untersuchung und Bildgebung seri\u00f6s beurteilen. Der erste Beratungstermin bei uns ist kostenlos.<\/p>\n<h2>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2>\n<div class=\"faq\">\n<div class=\"qa\" data-nacrt=\"1\">\n<h3>Kann ich den Sinuslift vermeiden?<\/h3>\n<p>Beim klassischen Vorgehen ist das Ziel, Volumen hinzuzuf\u00fcgen: Die Kieferh\u00f6hlenmembran wird angehoben, darunter ein Knochenersatzmaterial eingebracht, und nach einigen Monaten Heilung folgt das Einsetzen. Beim Pterygoid-Implantat wird nichts hinzugef\u00fcgt, denn die Verankerung wird im vorhandenen dichten Knochen des Pterygoidfortsatzes gesucht, sodass ein gesonderter Aufbaueingriff und das lange Warten darauf in der Regel entfallen. Das Implantat umgeht die Kieferh\u00f6hle, statt durch sie hindurchzugehen. Ob das in Ihrem Fall machbar ist, entscheidet sich anhand der Aufnahme.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"qa\" data-nacrt=\"1\">\n<h3>Wie erfolgreich sind Pterygoid-Implantate?<\/h3>\n<p>Die systematische \u00dcbersicht mit Metaanalyse von Araujo und Mitarbeitern aus dem Jahr 2019 umfasste fast 1900 Pterygoid-Implantate und berichtete \u00fcber eine Erfolgsrate von 94,87 Prozent. Eine neuere \u00dcbersicht aus dem Jahr 2024 an einer Stichprobe von 768 Implantaten verzeichnet ein \u00dcberleben von etwa 97 Prozent bei einer Nachbeobachtung von einem bis sechs Jahren, w\u00e4hrend eine umfangreiche \u00dcbersicht aus dem Jahr 2024 an mehr als 3000 Implantaten eine kumulative Zehnjahres\u00fcberlebensrate von 92,5 Prozent ergibt. Diese Zahl bedeutet nicht, dass der Eingriff einfach ist: Es handelt sich um eine technisch anspruchsvolle Chirurgie, die Erfahrung und eine gute Vorbereitung verlangt.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"qa\" data-nacrt=\"1\">\n<h3>Warum ist im hinteren Bereich des Oberkiefers nicht genug Knochen vorhanden?<\/h3>\n<p>Nach dem Verlust der Backenz\u00e4hne zieht sich der Kieferkamm des Oberkiefers zur\u00fcck, und der Kieferh\u00f6hlenraum dar\u00fcber dehnt sich nach unten aus. Mit der Zeit bleibt zwischen Mundh\u00f6hle und Kieferh\u00f6hle nur eine d\u00fcnne Knochenplatte, manchmal nur zwei bis drei Millimeter, was f\u00fcr ein klassisches Implantat zu wenig ist. Genau deshalb ist bei vielen Patienten von Knochenaufbau oder Sinuslift die Rede, bevor eine feste Arbeit \u00fcberhaupt geplant werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"qa\" data-nacrt=\"1\">\n<h3>Wann ist ein Pterygoid-Implantat keine gute Wahl?<\/h3>\n<p>Das ist keine Technik f\u00fcr jeden Patienten und sie wird nicht leichtfertig gew\u00e4hlt. Der dichte Knochen der Pterygoidregion und die N\u00e4he wichtiger anatomischer Strukturen bedeuten, dass eine pr\u00e4zise 3D Planung und die Erfahrung des Operateurs notwendig sind und keine Zugabe. Die Knochenqualit\u00e4t an der Stelle selbst beeinflusst das Ergebnis, weshalb die Entscheidung immer anhand der Aufnahme f\u00e4llt und nicht pauschal.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"qa\" data-nacrt=\"1\">\n<h3>Tut das Einsetzen eines Pterygoid-Implantats weh?<\/h3>\n<p>Patienten, denen ein l\u00e4ngerer oder empfindlicherer Eingriff Unbehagen bereitet, bieten wir die Analgosedierung an, eine milde Sedierung, mit der der Ablauf ruhiger und besser ertr\u00e4glich ist. Die Erholung unterst\u00fctzen wir mit den M\u00f6glichkeiten des DENTAL SPA Bereichs der Klinik, von der hyperbaren Sauerstofftherapie bis zur Lymphdrainage.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"sources\">\n<h2>Quellen und Literatur<\/h2>\n<ol>\n<li>Ara\u00fajo RZ, Santiago J\u00fanior JF, Cardoso CL, Benites Condezo AF, Moreira J\u00fanior R, Curi MM. Clinical outcomes of pterygoid implants: Systematic review and meta-analysis. J Craniomaxillofac Surg. 2019;47(4):651-660. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/30799134\/\">https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/30799134\/<\/a><\/li>\n<li>Bidra AS, Pe\u00f1a-Cardelles JF, Iverson M. Implants in the pterygoid region: An updated systematic review of modern roughened surface implants. J Prosthodont. 2023;32(4):285-291. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/36069239\/\">https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/36069239\/<\/a><\/li>\n<li>Raouf K, Chrcanovic BR. Clinical Outcomes of Pterygoid and Maxillary Tuberosity Implants: A Systematic Review. J Clin Med. 2024;13(15):4544. <a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC11312960\/\">https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC11312960\/<\/a><\/li>\n<li>D&#039;Amario M, Orsijena A, Franco R, Chiacchia M, Jahjah A, Capogreco M. Clinical achievements of implantology in the pterygoid region: A systematic review and meta-analysis of the literature. J Stomatol Oral Maxillofac Surg. 2024;125(12 Suppl 2):101951. <a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/38906380\/\">https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/38906380\/<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<div class=\"disc\">Die genannten Werte sind Durchschnittswerte aus der Fachliteratur und keine Garantie f\u00fcr das Ergebnis im Einzelfall. Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt keine klinische Untersuchung.<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im hinteren Oberkiefer geht Knochen schneller verloren, als vielen Patienten lieb ist. Nach dem Verlust der Backenz\u00e4hne dehnt sich die Kieferh\u00f6hle nach unten aus, der Kieferkamm schrumpft, und irgendwann bleibt f\u00fcr ein klassisches Implantat schlicht zu wenig H\u00f6he. Der \u00fcbliche Weg lautet dann: aufbauen. Sinuslift, Knochenblock, Wartezeit. Es gibt einen zweiten Weg, der diesen Umweg vermeidet und den festen Knochen nutzt, der weiter hinten ohnehin vorhanden ist. 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